Erfolgreiche Urabstimmung bei der Gilde Brauerei

Überwältigende Mehrheit für Streik

Der Tarifkonflikt bei der Gilde-Brauerei spitzt sich zu.

Bei der Urabstimmung, die am Montag, den 25.11.2019 von 5 bis 19 Uhr bei der Gilde Brauerei durchgeführt wurde, haben sich die gewerkschaftlich organisierten Beschäftigten mit einer überragenden Mehrheit für die Fortführung des Arbeitskampfes ausgesprochen. Somit kann die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) ab sofort zu unbefristeten Streiks bei der Brauerei in Hannovers Südstadt aufrufen.

Kein alltäglicher Konflikt

„Dieser Tarifkonflikt ist kein alltäglicher, denn solch eine Verweigerungshaltung erleben wir selten. Nachdem unsere zahlreichen Aktivitäten der letzten Wochen die Geschäftsführung immer noch nicht zur Rückkehr an den Verhandlungstisch bewegt haben, war es jetzt Zeit für ein klares Votum unserer Mitglieder, ob und wie wir den Arbeitskampf fortführen werden.“, erläutert Lena Melcher, Geschäftsführerin der NGG-Region Hannover.

In einer freien und geheimen Wahl hätten 94% der NGG-Mitglieder für weitere Arbeitskampfmaßnahmen gestimmt. Das erforderliche Quorum einer dreiviertel Mehrheit sei damit weit übertroffen worden. Somit seien zukünftig auch unbefristete Streiks möglich. „Mit diesem deutlichen positiven Ergebnis der Urabstimmung sind wir erneut auf die Geschäftsführung zugegangen. Die Entscheidung, ob wir uns am Verhandlungstisch wiedersehen oder ob dieser Tarifkonflikt weiter eskaliert, liegt bei unseren Geschäftsführern Herrn Uhlmann und Herrn Gärtner.“, so Julian Weinz, Mitglied der NGG-Tarifkommission und Betriebsratsvorsitzender.

Tarifkonflikt bei der Gilde Brauerei spitzt sich zu

Hannover, 25. September 2019

Im ältesten Unternehmen Hannovers rumort es gewaltig. Während sich die Beschäftigten der Gilde Brauerei nach fairen und mitbestimmten Arbeitsbedingungen in Form von Tarifverträgen sehnen, strebt die Gilde-Geschäftsführung eine Spaltung der Brauerei in vier Gesellschaften an. Aus diesem Grunde sagte sie den für diese Woche vereinbarten, zweiten Tarifverhandlungstermin mit der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) kurzfristig ab und stellte eine Fortsetzung der Tarifverhandlungen frühestens im Laufe des Jahres 2020 in Aussicht. Gegensätzlicher könnten die Positionen beider Seiten kaum sein. Eine Eskalation des Konflikts scheint vorprogrammiert.

Seit dem Erwerb der Gilde Brauerei durch die TCB Beteiligungsgesellschaft mbH zum Jahreswechsel 2015/2016 entwickeln sich die Arbeitsbedingungen der Brauerei-Belegschaft scherenhaft auseinander. Bei gleicher Tätigkeit erhalten Beschäftigte, die seit 2016 eingestellt wurden, jährlich durchschnittlich 15.000 € brutto weniger als ihre Kolleginnen und Kollegen, die noch Ansprüche auf die vormals gültigen Tarifkonditionen haben. Bereits 2016 verhandelte NGG mit der Gilde-Geschäftsführung über einen Haustarifvertrag für die Brauereibeschäftigten in der Südstadt. Damals kamen die Verhandlungen ohne Einigung zum Erliegen. Auch in der aktuellen Tarifrunde 2019 geht es wieder um ein Tarifpaket, das aus Entgeltrahmen-, Altersvorsorge-, Mantel- und Entgelttarifvertrag besteht. Der Unterschied zu 2016: Die Gilde-Belegschaft ist mittlerweile bestens organisiert.

„In 2016 erinnerten die Tarifverhandlungen bereits mehr an ein Diktat der Geschäftsführung als an einen Dialog. Nun scheint sich die Strategie der Arbeitgeberseite verschärft zu haben, sodass sie unserer erneuten Forderung nach einem vereinigenden Tarifwerk mit Zerschlagungsplänen begegnet.“, so Lena Melcher, Geschäftsführerin der NGG-Region Hannover. Grund für die Umstrukturierungspläne sei laut Arbeitgeberseite eine defizitäre, wirtschaftliche Situation der Brauerei. Dazu nimmt Melcher wie folgt Stellung:

„Innerhalb von 3 Jahren hat sich der Bierabsatz mehr als verdreifacht. Tendenz weiterhin steigend. Die Produktivitätssteigerung ist offensichtlich. Hingegen nicht offensichtlich ist, wo Aufträge und Gewinne in der Konzernstruktur, in der sich die Gilde seit 2016 befindet, verbucht werden.“ Zum TCB-Mutterkonzern, dessen Führungsspitze personenidentisch mit der Gilde-Geschäftsführung ist und der mittlerweile unter den TOP 3 der deutschen Brauwirtschaft rangiert, gehören u.a. das Frankfurter Brauhaus in Frankfurt/Oder und die Feldschlösschen Brauerei in Dresden.

„Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus. Bei der Betriebsversammlung in dieser Woche [f. d. Red.: 26. September] wird es heiß hergehen, soviel ist sicher.“, fügt Melcher augenzwinkernd hinzu.